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Kolleg St. Sebastian Stegen

Vierstünder Geographie auf Exkursion in Serbien

Vierstünder Geographie auf Exkursion in SerbienEinen kühnen Sprung auf den wilden Balkan (hier am 'Eisernen Tor' an der serbisch-rumänischen Grenze) wagten einige Abiturienten des Neigungskurses Geographie Anfang Mai

Geboren aus einem Donau-Online-Projekt entstanden erst facebook-Kontakte, aus denen nun face-to-face-Freundschaften wuchsen. Hier ihr Bericht:

Das andere Serbien
Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an Serbien denken? Belgrad, die „weiße Stadt“? Die Donau, die das Land von Ost nach West durchquert? Den letzten Vorposten des christlichen Abendlandes vor dem muslimischen Osmanenreich? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich denken Sie genauso wie die Meisten: Serbien, das hat doch zu Jugoslawien gehört. Und dann zettelten die Serben diesen furchtbaren Balkankrieg an, den wir mit deutschen Soldaten beenden mussten. So dachte ich auch. Dann lernte ich Serbiens andere Seite kennen.

Es wird dunkel am Bahnhof von Novi Sad. Die Hauptstadt der Vojvodina, Serbiens nördlichem Teil, hat ihre schönen Viertel, aber dieses gehört definitiv nicht dazu. Es sieht aus, wie man sich eine sozialistisch geprägte Stadt vorstellt: Plattenbauten, alte Straßenbeleuchtungen, die Autos klein und teilweise rostig. Wir haben aber auch gerade keinen Sinn für Schönheit. Nach 29 Stunden Zugfahrt und vier Mal umsteigen auf dem Weg von Freiburg nach Novi Sad wollen wir nur noch ankommen.
Wir, das sind sechs Schüler und ein Lehrer des Kollegs St. Sebastian in Stegen, die sich aufgemacht haben, ihre serbische Partnerschule in Zrenjanin, 60 km nördlich von Belgrad, zu besuchen. Wir lernten sie während eines gemeinsamen Projekts rund um die Donau kennen, die Idee zu einem Besuch entstand später. Noch sind wir aber nicht angekommen, uns erwartet noch eine Stunde Autofahrt. Auf der Fahrt erfahren wir, einige unserer Austauschschüler sind heute Abend auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Meine Austauschpartnerin Teodora nicht. Ich bin froh darüber.
Am nächsten Tag geht es schnell in die beiden vom Bürgermeister gesponserten (!!!) Minibusse: Auf zur Serbien-Rundreise im Schnelldurchlauf.
Zuerst fahren wir nach Smederevo, einer alten, christlichen Festung an der Donau. Hier lag früher die Grenze zum Osmanenreich und eine der meist umkämpften Gegenden in Serbien. Nach einer historischen Führung und einigen Fotos folgen wir der Donau weiter nach Golubac, einer weiteren, allerdings halb überschwemmten Festung. An dieser Stelle beginnt das Eiserne Tor, benannt nach dem gleichnamigen Wasserkraftwerk 100 km flussabwärts. Außerdem ist die Donau hier sieben Kilometer breit (siehe Foto), bevor sie sich auf 250 m verengt, weshalb die Festung Golubac halb überflutet ist. Wir machen eine kurze Kaffee- bzw. Saftpause, dann geht es weiter in Richtung Eisernes Tor. Dazwischen Halt in Lepenski Vir, der Stätte, an der die ältesten Überreste menschlicher Besiedlung in ganz Europa gefunden wurden. Vom Eisernen Tor selbst erhaschen wir indes nur einige kurze Blicke, denn sobald wir auf dem Besucherparkplatz halten, werden wir von den Wachmännern sofort wieder verscheucht. Es wird gerade renoviert, also keine Touristen. Die Donau selbst, die sich hier in weiten Windungen durch Karpaten und Serbisches Erzgebirge schneidet, ist dafür mit den von ihr geschliffenen steilen canyonartigen Felswänden, umso eindrucksvoller.
Wir verbringen die Nacht im Hotel, denn obwohl die Strecke für deutsche Straßenverhältnisse zu bewältigen ist, fährt es sich auf einspurigen, kurvigen, oft löcherigen Straßen deutlich langsamer. Am nächsten Tag geht es – nach einer weiteren schlafarmen Nacht – weiter in Richtung Belgrad, mit einem Abstecher über Rajkos Höhle, einer der schönsten Tropfsteinhöhlen Serbiens.
In Belgrad angekommen, besichtigen wir die Festung Kalemegdan und unternehmen anschließend eine Flussfahrt dorthin, wo sich die Donau mit der Save vereinigt. Fährt man einmal um die Boje, die diese Stelle markiert, darf man sich etwas wünschen, aber wie immer gilt: Nichts verraten! Den Abend bekommen wir frei, bummeln über Belgrads Haupteinkaufsstraße Knez Mihailova. Die Bars sind proppenvoll, es wimmelt nur so von Straßenkünstlern und Nachtschwärmern – die zwei Stunden vergehen wie im Flug.
Und schon ist es soweit: Unser letzter voller Tag steht an. Und voll ist er wirklich: Empfang beim Bürgermeister von Zrenjanin, dann eine Stadtführung durch unsere Gastschüler, von uns vorbereitete Referate vor den serbischen Schülern zu unserem Blick auf Tito und den Balkankrieg, Schwarzwälder Kirschtorte-Backen (ein Abenteuer mit derart begrenzten Mitteln) für die serbische Lehrerschaft, Spaziergang im Nationalpark Fruska Gora bei Novi Sad, Besichtigung des orthodoxen Klosters Novo Hopovo, Besuch der Festung von Novi Sad … Dabei haben unsere Gastschüler noch ganz andere Pläne: Zum Abschied für uns Deutsche und nebenbei zur Feier der Walpurgisnacht, denn es ist der 30. April, wollen wir am Abend in Zrenjanin feiern gehen. Nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang über Novi Sad fahren wir schnell wieder zurück nach Zrenjanin und machen uns fertig …
… für die kürzeste Nacht des ganzen Besuchs. Dementsprechend müde, vor allem aber traurig fällt der Abschied am Morgen des nächsten Tages aus, denn unser Flieger soll um 12:40 Uhr in Belgrad abheben und die Fahrt dorthin dauert zwei Stunden. Es bleiben Eindrücke von einem vielschichtigen Land, unglaublich gastfreundlichen Menschen – und die Vorfreude auf einen Gegenbesuch der Serben im Herbst diesen Jahres.

Elena Fellner, Jahrgangsstufe 12

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