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Geschichts-AG

Pater Middendorf – ein stiller Held in dunkler Zeit

Jüdische Menschen in Stegen vor Verfolgung und Tod bewahrt
Von Hartwig Kluge (Badische Zeitung, 29.07.2021)
STEGEN. Was ist es für ein Glücksfall, wenn Schüler einen Geschichtslehrer haben, der sie für sein Fach begeistern kann und ihnen die Chance bietet, tief in die Lokalgeschichte einzutauchen: Auf Initiative von Claudius Heitz haben sich Schülerinnen und Schüler des Kollegs St. Sebastian in Stegen mit dem Leben von Pater Middendorf, der zwischen 1938 bis 1946 an der Spitze des Klosters in Stegen stand, auseinandergesetzt. Die Ergebnisse der Nachforschungen präsentierten sie nun der Öffentlichkeit.
Da der Platz im Ökumenischen Zentrum in Stegen pandemiebedingt auf 25 Sitze begrenzt war, wurde die Veranstaltung kurzerhand ins Freie verlegt. Viele Zuhörer waren gekommen, darunter Angehörige von ehemals Schutzbedürftigen und ältere Stegener, die Zeitzeugen des damaligen Geschehens waren.
Claudius Heitz stellte anfangs das Forschungsprojekt der neunten Klasse vor. Wo stammte Pater Middendorf her, wie war er als Mensch? Gibt es neue Erkenntnisse zu seinem Lebenslauf? Welches Risiko lag in seinem Handeln? War er der einzige Widerständler in Stegen? Heitz berichtete von Recherchen im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt/Weinstraße, wo sie fünf Kisten mit Material sichten konnten; es gab Begegnungen mit Zeitzeugen, die als Kinder im Schloss untergebracht waren, sowie Nachforschungen im Staatsarchiv in der Colombistraße in Freiburg, wo man ebenfalls Material fand.
Edith Eicker, Filippa Kuhnert, Pauline Hirt, Jette Pache, Nick Schwarz und Nils Urlaub (v. l. n. r.) haben das Leben und Wirken von Pater Middendorf erforscht. (Foto: Hartwig Kluge)Die sechs am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler stellten ihre Forschungen vor. So ergab sich ein Gesamtbild von Pater Middendorf, geprägt von großer, christlich bestimmter Menschlichkeit. Er war "ein väterlicher Mensch" für seine Schutzbefohlenen. Davon kamen viele aus einem Waisenheim in Hagen. Wegen der Bombardierungen musste dieses Heim 1943 evakuiert werden, und mehr als 100 Jungen und Mädchen kamen nach Stegen, wo sie bis Dezember 1945 blieben. Darunter waren auch jüdische Kinder, die Pater Middendorf unter seinen persönlichen Schutz stellte und sie somit vor Verfolgung und Tod rettete. Das war für ihn in dieser menschenverachtenden Zeit selbst mit großer Gefahr verbunden, aber niemand wurde verraten.
Viele Jahrzehnte blieb sein mutiger Einsatz in Stegen und auch im Herz-Jesu-Orden ziemlich unbekannt. Er selbst hat zu seinen Lebzeiten nie darüber gesprochen. Erst nach seinem Tod 1972 stieß sein Ordensbruder Pater Bernd Bothe per Zufall darauf und arbeitete die bewegende Geschichte von Pater Middendorf auf. Es erfolgten Würdigungen und Ehrungen, und 1994 wurde ihm postum in Yad Vaschem in Jerusalem der Titel "Gerechter unter den Völkern" verliehen.
Die Geschichts-AG des Kollegs hat sich mit dem Pater auch deshalb beschäftigt, weil die Erinnerung derzeit besonders wachgehalten wird: Ein großes und saniertes Schulgebäude heißt nun "Pater-Middendorf-Haus" zum Gedächtnis an diese herausragende Persönlichkeit. Die Schülerinnen und Schüler trugen all diese Sachverhalte, ergänzt mit jüdischen Schicksalen in Freiburg, mit großer Empathie vor und erhielten dafür viel Beifall und Anerkennung.
 

In Gedenken an NS-Opfer

Weihbischof segnet Mahnmal in Zarten / Ergebnis der Recherche von Schülern aus Stegen
Von Gerhard Lück (Badische Zeitung, 28.07.2021)
KIRCHZARTEN-ZARTEN. "Unsere Zivilgesellschaft braucht die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte", sagte der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer bei der Einweihung eines Mahnmals für Euthanasie-Opfer in Zarten. Und so sei er dankbar, dass sich junge Menschen aus der Geschichts-AG des Kollegs St. Sebastian in Stegen dem Thema Euthanasie der Nazi-Herrschaft im Dreisamtal angenommen haben.
Nach der Enthüllung kam Weihbischof Peter Birkhofer mit den Schülern ins Gespräch. (Foto: Gerhard Lück)Bürgermeister Andreas Hall hatte mit seinen Dreisamtäler Bürgermeister-Kollegen zur Einweihung eingeladen. Dabei waren auch Schulleiter Bernhard Moser vom Kolleg und der Direktor der Schulstiftung, Dietfried Scherer, sowie zahlreiche Gäste, darunter Sponsoren. Hall sagte, die Schüler hätten "in beeindruckender Weise die Euthanasie-Morde in unserer Heimat aufgearbeitet und den Opfern des Dreisamtals mit einem Mahnmal einen Namen gegeben". Der vom Stegener Künstler Daniel Rösch vorgelegte Mahnmal-Entwurf habe ihn sehr berührt.
Den Weg von der ersten Auseinandersetzung in der Geschichts-AG bis zur jetzt erfolgten Mahnmal-Einweihung zeigten Lehrer Claudius Heitz und fünf der anwesenden sieben AG-Mitglieder eindrucksvoll auf. Für Heitz war die gemeinsame Arbeit "ein besonderer Moment als Lehrer". Seit September 2018 habe sich die Gruppe "mit der in der Euthanasie greifbar gewordenen Menschenverachtung der Nazis" befasst. Das Schicksal von Wilhelmine Hitz vom Schweizerhof in Zarten, die 1924 aus nicht zu ermittelnden Gründen - außer einem Alkoholproblem war nichts bekannt - in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen eingewiesen wurde und 1940 in der "NSDAP-Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb vergast wurde, motivierte die Schüler, intensiver nach weiteren Euthanasie-Opfern im Dreisamtal zu forschen. Franz Asal, Vorsitzender des Fördervereins der St. Johanneskapelle, unterstützte sie dabei intensiv.
"Wir machten uns dann auf weitere Spurensuche von Hitlers vergessenen Opfern", sagte Heitz. Fündig geworden seien sie in verschiedenen Archiven. Sie hätten die Gedenkstätte in Grafeneck besucht und seien überrascht gewesen, "dass es keinen offiziellen Gedenktag für Euthanasie-Opfer gibt". Die Schüler Jakob Seidel, Sidonie Hahlbrock, Adelheid Prinz, Paul Lieb und Simon Buchgeister entlarvten die Nazi-Sprache, die den Begriff Euthanasie im griechischen Ursprung mit "guter Tod" verwendete. Die Schüler informierten darüber, dass allein aus Emmendingen 1.127 Patienten nach Grafeneck und später nach Hadamar in den "berühmten grauen Bussen" in die Gaskammern transportiert worden seien. In Grafeneck seien in einem Jahr bis zu 100 Mitarbeitende an der Tötung von 10.654 Menschen beteiligt gewesen.
Eine Stele gibt den 15 Euthanasie-Opfern aus dem Dreisamtal einen Namen. (Foto: Gerhard Lück)Beeindruckend erzählten die fünf von Flora Meder aus Kirchzarten, die mit dem damaligen Sparkassen-Vorstand verheiratet und durch ungewöhnliche Frömmigkeit aufgefallen war. Sie wurde 1929 in Emmendingen eingewiesen. Weiter erzählten die Schüler von Wilhelm Scherer aus Eschbach, der nach einer Brandstiftung als geistig gestört eingestuft nach Emmendingen kam. Insgesamt 15 Euthanasie-Opfer aus dem Dreisamtal spürten die AG-Mitglieder auf. Doch sie konnten auch von Geretteten berichten, die dank großer Zivilcourage von Bürgern überlebt hatten. Claudius Heitz berichtete von der schwierigen Recherche: "Wir fanden die Namen oft in Listen anderer Tötungsstätten der Nazis mit gefälschten Todesdaten wieder." Während der Auseinandersetzung mit diesen dunklen Taten deutscher Geschichte sei der Wunsch bei den Schülern gewachsen, zum Gedenken an die Opfer ein Denkmal zu errichten.
Beim Stegener Bildhauer Daniel Rösch trafen sie gleich auf offene Ohren, da sich der Künstler auch inhaltlich mit seinem Auftrag identifiziert. Er sei sehr berührt, betonte er bei der Vorstellung, dass junge Menschen ein Mahnmal forderten, mit dem der Euthanasie-Opfer nach 80 Jahren erstmals namentlich gedacht werde. Und man müsse sich heute beim Thema Pränatal-Diagnostik fragen, "ist sie und die sind die daraus resultierenden Abtreibungspraktiken auf diesem nationalsozialistischen Nährboden eines makellosen Menschenbildes befördert worden?" Rösch dankte allen, den Kommunen, der Erzdiözese Freiburg und vielen Spendern, dass sie das Denkmal finanziell möglich machten: "Das ist ein Bekenntnis zum Mahnmal und zur Jugend!"
Inspiriert habe ihn die zurückgelassene Kleidung der Opfer in Grafeneck, die sich gleich nach ihrer Ankunft vollständig entkleiden mussten und dann in die Gaskammern geführt wurden. Er sei, so erzählte Rösch, auf Dreisamtäler Bauernhöfen bei der Suche nach Kleidungsstücken der damaligen Zeit fündig geworden: Anzüge, Jacken, Kleider, Schuhe, Brillen, Trachtenhut, Strickjacke mit Messingknöpfen. Alles habe er in Holzleim getränkt und fixiert. Nach den Spendenzusagen habe er einen Steinblock gekauft und nach kurzer Fräsvorarbeit in 750 Arbeitsstunden mit seinen Mitarbeitern das Modell in Stein gehauen. Auf einer Stele habe er alle 15 Namen der Dreisamtäler Euthanasie-Opfer eingraviert.
Weihbischof Peter Birkhofer erzählte von einem geistig behinderten Cousin: "Diese Begegnung mit einem wertvollen Leben hat sich bei mir eingeprägt." Deshalb sei es wichtig, dass sich junge Menschen mit der Geschichte auseinandersetzen: "Wir brauchen Menschen, die uns daran erinnern, dass Leben wertvoll ist." Er rief dazu auf: "Schaut tiefer hin! Bleibt nicht beim Mahnmal stehen. Ehren wir das Andenken, aber werden wir immer aktiv, wenn andere ausgegrenzt werden." Schulleiter Moser dankte der Geschichts-AG und ihrem Lehrer: "Als Schulleiter bin ich unglaublich stolz auf eure Arbeit." Im Garten der St. Johannes-Kapelle wurde dann das Denkmal mit Stele enthüllt und vom Weihbischof gesegnet. Die Feierstunde begleitete eine Musikgruppe des Kollegs eindrücklich und mit feinem Gespür für die ernste Atmosphäre.
 

Schülerpreis für Heimatforschung 2020

SchülerpreisRegierungspräsidentin Bärbel Schäfer hat am 4. Dezember 2020 in einer Feierstunde den Schülerpreis des Landespreises für Heimatforschung an Sidonie Hahlbrock, Adelheid Prinz und Simon Buchgeister von der Geschichts-AG des Kollegs St. Sebastian verliehen. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Landesregierung Persönlichkeiten, die sich ehrenamtlich entweder um die Heimatpflege oder die Heimatgeschichtsforschung verdient gemacht haben. "In einem besonderen Jahr wie 2020, in dem viele Menschen Bezugspunkte und ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit suchen, wird uns wieder bewusst, welche große Bedeutung Heimat für die Menschen hat", teilte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer mit. Heimat sei kein musealer Gegenstand. Heimat werde gelebt – und erforscht. Wenn sich Bürger aktiv in das gesellschaftliche Leben einbringen, dann sei das auch gelebte Demokratie. "Ganz besonders freue ich mich über die engagierte Forschungsarbeit der drei Schülerpreisträger Sidonie Hahlbrock, Adelheid Prinz und Simon Buchgeister", sagte Bauer.
Preisverleihung Schülerpreis f+r Heimatforschung 2020Die Übergabe der Preise fand in kleiner Runde im Regierungspräsidium in Freiburg statt. „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Heimat und die Pflege unseres Brauchtums tragen zur regionalen Identität und zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Unsere diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger haben mit ihrem ehrenamtlichen Engagement Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen und sind damit Vorbilder für viele andere Menschen in ihrem Umfeld“, sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Sidonie Hahlbrock, Adelheid Prinz und Simon Buchgeister von der Geschichts-AG des Kollegs St. Sebastian in Stegen haben sich mit dem Schicksal von Zwangsarbeitern im Dreisamtal befasst. Für die Arbeit "Hitlers Sklaven: Zwangsarbeit im Dreisamtal während des Zweiten Weltkrieges" haben sie, betreut von ihrem Geschichtslehrer Claudius Heitz, Akten in Gemeindearchiven sowie im Staatsarchiv gesichtet und mit Zeitzeugen gesprochen.
Herzlichen Glückwunsch den Preisträgern, die über ihre Forschungsarbeit auch in einem Video berichten!
 

Schüler des Kollegs arbeiten Euthanasie-Morde auf

Sieben Schüler haben den Leidensweg mehrerer Euthanasie-Opfer aus dem Dreisamtal bei Freiburg an die Öffentlichkeit gebracht. Dafür haben sie wochenlang recherchiert, in Archiven geforscht und mit Angehörigen gesprochen.
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